Forschung und Entwicklung

NRW ist ein Zentrum bei F&E in den Bereichen "Vernetztes + Autonomes Fahren"

Vodafone, fka und Aldenhoven Testing Center Top-Adressen bei vernetztem + autonomem Fahren

Autonom, vernetzt und natürlich elektrisch
Die Zukunft der Mobilität steuert sich selbst und schont die Umwelt (Fotos: Winandy & Hachaj)

Noch vor wenigen Jahren war die alltägliche Elektromobilität ferne – und teils sogar belächelte – Utopie. Nur ein Jahrzehnt später verstummen die Kritiker zunehmend. Stetig steigende Batterieleistungen bei fallenden Preisen, zahlreiche neue Modelle und die parteiübergreifende Fürsprache und Förderung durch die Politik haben die Elektromobilität als Teil unserer Mobilität etabliert.
Autonomes und vernetztes Fahren ist der nächste Schritt auf dem Weg zur Mobilität der Zukunft mit maximalem Komfort und höchster Sicherheit für die Menschen – und selbstverständlich elektrisch. Niemand entwirft das Bild eines autonom und vernetzt agierenden Fahrzeugs mit einem Auspuff, der Schadstoffe emittiert.
Nordrhein-Westfalen ist nicht nur in den verschiedenen Bereichen der Elektromobilität Spitze. Auch in Sachen Autonomes und Vernetztes Fahren werden hierzulande Spitzenleistungen in Forschung, Entwicklung und Testing erbracht.
Wir haben mit einigen Akteuren gesprochen.

Vodafone bietet Produkte und Services, die Autos smart machen.

Dr. Eric Kuisch ist Geschäftsführer Technik bei Vodafone Deutschland und betont die Bedeutung des Themas „Vernetztes Fahren“ für sein Unternehmen. „Vernetztes Fahren ist für uns ein Zukunftsfeld mit großem Potenzial, an dem wir schon heute arbeiten.“ Dazu gehören sowohl Produkte und Services, die Autos smart machen, als auch Forschungsaktivitäten zum Straßenverkehr der Zukunft. Der Mobilfunk werde im Zusammenspiel mit weiteren Technologien (WLAN, Sensoren, Kameras) eine Schlüsselrolle spielen, „um aus herkömmlichen Autos autonom fahrende Autos zu machen“, erläutert Kuisch. „ Denn, wenn Autos per Mobilfunk miteinander sprechen, sehen sie sogar das, was für Menschen und Kameras noch unsichtbar ist.“

Vodafone vernetzt schon heute mehr als 10 Millionen Fahrzeuge

Vodafone bietet schon heute Komplettlösungen für vernetzte Autos – Hard- und Software sowie Services. Dazu zählen Telematik-Boxen, Alarmsysteme, Parksensoren, Notrufsysteme und Flottenmanagement. „Wir vernetzen schon heute mehr als zehn Millionen Fahrzeuge – von „A“ wie „Auto“ bis „Z“ wie „Zweirad“, so Dr. Kuisch. Nahezu die gesamte Automobilbranche setze auf Lösungen von Vodafone.

Heute Utopie – morgen Realität? Vodafone arbeitet an der Zukunft der Mobilität

Dr. Kuisch fasst die Pläne seines Unternehmens für die Zukunft der Mobilität zusammen: „Als Vodafone wollen wir unseren Beitrag für den Straßenverkehr der Zukunft leisten und eine Zukunft ohne Verkehrsunfälle gestalten. Möglich wird das, weil sich alle Teilnehmer im Straßenverkehr der Zukunft dank vernetzter Fahrzeuge automatisch gegenseitig vor Gefahren warnen. So schaffen wir eine Zukunft frei von Stau, in der Fahrzeuge zudem weniger Energie benötigen und dem Menschen Zeit für andere Dinge schenken.“

Gründung des Mobility Lab in Aldenhoven gemeinsam mit der RWTH Aachen

Vodafone arbeitet an Technologien, die Autos direkt miteinander, mit Ampeln und mit Menschen kommunizieren lassen. „Im August haben wir hierfür gemeinsam mit der RWTH Aachen das 5G Mobility Lab in Aldenhoven eröffnet“, erklärt Dr. Kuisch. „Autos schauen hier schon heute um die Ecke, durch LKW hindurch und über Bergkuppen hinweg. Hier arbeiten wir Technologie-übergreifend an Lösungen für die existierenden Probleme des Straßenverkehrs.

5G mit bis zu 10 Gbit/s und Latenzen von weniger als 10 Millisekunden

Das 5G Mobility Lab bietet weltweit einmalig ein frei konfigurierbares Mobilfunk-Testnetz, das auf eine komplette Verkehrsinfrastruktur trifft. Länderspezifische Mobilfunkszenarien oder Störfälle können so bei Verkehrsszenarien getestet werden. Im 5G Mobility Lab treffen Automobil- und Telko-Branche auf Wissenschaft und Politik; jeder kann hier testen: vom Start-Up bis zum Großkonzern, vom Studenten bis zum Automobil-Hersteller. Wir wollen das 5G Mobility Lab zu einem der ersten Orte in Deutschland machen an dem 5G funkt. Das bringt dann Geschwindigkeiten von bis zu 10 Gbit/s und Latenzen von weniger als 10 Millisekunden.“

Das Aldenhoven Testing Center - Testumgebungen für jeden Anspruch

Dipl.-Ing. Micha Lesemann ist Geschäftsführer des 2014 eröffneten Aldenhoven Testing Centers. Auf einer Fläche von 40 Hektar können Unternehmen aus allen Bereichen der Mobilität ausführlich ihre Produkte oder auch Dienstleistungen in einer realistischen Umgebung testen. „Unser Ziel ist es, unseren Kunden Testbedingungen zu bieten, die es ihnen ermöglichen, ihre Forschung und Entwicklung stets auf dem aktuellen Stand realer Anforderungen durchführen zu können. Je realistischer wir hier die Bedingungen auf der Straße abbilden können, desto größer ist der Nutzen für unsere Kunden“, so Lesemann.

Seit kurzem auch Kreuzung und Innenstadtbereich

Das Aldenhoven Testing Center verfügt neben der zentralen Ovalbahn über eine klassische Schlechtweg- und eine Bremsenstrecke sowie einen Handlingkurs, einen Steigungshügel und einen Autobahn-Bereich. Um seinem Anspruch an sich selbst gerecht zu werden, wurde auf dem Gelände im vergangenen Jahr eine Kreuzung ergänzt. Die RWTH Aachen errichtet mit Unterstützung des Bundes bis Ende 2018 einen Bereich, in dem sich alle städtischen Situationen nachstellen lassen. „Mit diesem Gesamtpaket sind wir dann alle Testreihen im Bereich des vernetzten und autonomen Fahrens bestens gerüstet“, sagt Micha Lesemann.

Aachener Forschungsgesellschaft Kraftfahrwesen entwickelt und bewertet

Ein weiteres Zentrum von Forschung & Entwicklung zu den Themen Autonomes und Vernetztes Fahren ist die Aachener Forschungsgesellschaft Kraftfahrwesen (fka). Die fka unterstützt bereits seit einigen Jahren Unternehmen aus der Automobilbranche im Bereich des Vernetzten Fahrens bei der Entwicklung und Bewertung kommunikationsbasierter Fahrerassistenzsysteme in der Simulation und auf der Teststrecke.

Kooperation mit Vodafone und Aldenhoven Testing Center

„Wir haben bereits Erfahrung mit der Fahrzeug-Fahrzeug- und Fahrzeug-Infrastruktur-Kommunikation über ITS-G5 und Mobilfunk“, erklärt Dipl.-Ing. Dominik Raudszus, Teamleiter Vernetzte Fahrerassistenz am fka. „Unter anderem haben wir kommunikationsbasierte Systeme zur Kollisionsvermeidung umgesetzt. Über unseren Kooperationspartner, das Institut für Kraftfahrzeuge (ika), haben wir Zugriff auf die städtische Testumgebung für vernetzte Fahrfunktionen auf dem Gelände des Aldenhoven Testing Centers. Dort ist bereits eine Forschungskreuzung mit Sensorik und Kommunikationstechnik vorhanden. Vodafone ist dort ebenfalls aktiv und stellt die neueste Generation Mobilfunk zur Verfügung. Im nächsten Jahr wird die städtische Testumgebung noch weiter ausgebaut.“

Hochgenaue Karten incl. dynamischer Objekte

„Wir sehen uns als Partner der Automobilindustrie, der schon in frühen Entwicklungsphasen unterstützt und durch eigene Forschungsarbeit den Stand der Technik vorantreibt. Daher wollen wir auch in diesem Thema vorne dabei sein. Das beinhaltet vor allem den Aufbau von Know-how und Infrastruktur.
In Zukunft werden nicht nur Informationen zwischen Fahrzeugen und der Infrastruktur sowie zwischen Fahrzeugen untereinander ausgetauscht, sondern es wird ein Mehrwert generiert, indem Informationen zentral gesammelt und verarbeitet werden. Ein Beispiel sind hochgenaue Karten, die nicht nur die statische Umgebung enthalten sondern auch dynamische Objekte wie Fahrzeuge oder Fußgänger.“

Erster Ansprechpartner für Elektromobilität in NRW

Nordrhein-Westfalen ist also nicht nur ein Zentrum für alle Bereiche der Elektromobilität sondern auch für vernetztes und autonomes Fahren.
Zukünftig werden diese drei Felder untrennbar miteinander verbunden sein.
ElektroMobilität NRW wird alle daran beteiligten Akteurinnen und Akteure auch zukünftig im Sinne seines Auftrags der NRW-Landesregierung weiterhin effektiv vernetzen und kompetent informieren und beraten.

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